Kurz gesagt
- Andicken, Gel, Überfettung und Reifezeit sind die vier Wörter, die jedes Rezept als bekannt voraussetzt.
- Lauge heißt Natriumhydroxid (NaOH) für Stückseife und Kaliumhydroxid (KOH), gelöst Kalilauge, für Flüssigseife.
- Die Verseifungszahl sagt, wie viel Lauge ein Öl braucht; die Überfettung, wie viel des Öls Sie absichtlich unverseift lassen.
- Jeder Begriff ist mit der Anleitung verlinkt, die ihn richtig erklärt.
Die Begriffe stehen in alphabetischer Reihenfolge. Wo ein Wort eine längere Geschichte hat, führt der Link zu der Anleitung, die sie erzählt.
A
Abschlag. Siehe Laugenabschlag.
Andicken (Trace). Der Punkt, an dem der Seifenleim so dick geworden ist, dass ein Faden eine Spur auf der Oberfläche hinterlässt. Leichtes, mittleres und starkes Andicken passen zu verschiedenen Designs. Siehe Andicken.
Antioxidans. Ein Zusatz, der die Oxidation von Ölen bremst, etwa Rosmarinextrakt oder gemischte Tocopherole (Vitamin E). Es ist kein Konservierungsmittel: Gegen Mikroben bewirkt es nichts. Siehe Antioxidantien und Komplexbildner.
Asche. Siehe Sodaasche.
Ätherisches Öl (ÄÖ, engl. EO). Ein konzentriertes aromatisches Öl, aus einer Pflanze destilliert oder gepresst. Für viele gilt nach den IFRA-Standards eine Höchstmenge in Seife, festgelegt nach dem, was sie enthalten; manche, etwa Lavendelöl, haben keine. Siehe Seife beduften.
Auslassen. Fett aus rohem tierischem Gewebe ausschmelzen und reinigen, um Schmalz oder Talg für Seife zu gewinnen. Siehe Schmalz und Talg.
Auszug (Infusion). Öl oder Wasser, in dem Kräuter, Blüten oder Wurzeln gezogen haben, um ihre Farbe aufzunehmen. Siehe Kräuter, Blüten und Auszüge.
B
Bastille-Seife. Eine Seife, die überwiegend aus Olivenöl besteht, mit etwas Kokos- oder Rizinusöl für den Schaum. Eine feste Grenze gibt es nicht; viele Seifensieder ziehen sie bei 70 % Olivenöl oder mehr. Siehe Kastilienseife.
Beschleunigung. Seifenleim, der viel schneller andickt als üblich, sodass weniger Zeit zum Gießen und Swirlen bleibt. Düfte sind die übliche Ursache, gefolgt von Wärme und einem hohen Anteil fester Fette. Siehe Stocken, Ricing und Beschleunigung.
C
CPOP. Cold Process Oven Process: frisch gegossene Seife in einen vorgewärmten, ausgeschalteten Ofen stellen, damit sie geliert. Siehe Gelphase.
D
DOS. Dreaded orange spots, gefürchtete orange Flecken: orange, ranzig riechende Flecken, wo ungesättigte Fette im Stück oxidiert sind. Die Überfettung allein verursacht sie nicht; mehrfach ungesättigte Öle, Spuren von Eisen oder Kupfer, Wärme und Licht spielen eine größere Rolle. Siehe orange Flecken.
E
Einlage (Embed). Ein Stück Seife, das in eine neue Charge eingesetzt wird, etwa Würfel, Locken oder Formen. Siehe Einlagen und Oberflächen.
Einzelform. Eine Form mit einzelnen Mulden in der Form eines Stücks, im Gegensatz zu einem Block, der in Stücke geschnitten wird. Siehe Seifenformen.
Emulsion. Die erste Stufe des Mischens, wenn sich Öle und Laugenlösung nicht mehr trennen. Sie kommt vor dem Andicken. Siehe Andicken.
Entmischung. Öl oder Flüssigkeit, die sich aus dem Seifenleim oder dem fertigen Stück absondert. Das kann einen Wiegefehler oder eine unvollständige Emulsion bedeuten; testen Sie, bevor Sie die Seife benutzen. Siehe weiche Seife und Entmischung.
F
Falsches Andicken. Seifenleim, der dick aussieht, weil feste Fette abkühlen und erstarren, nicht weil er verseift. Er wird wieder dünn, wenn man ihn erwärmt oder weitermixt. Siehe Andicken.
Farbmittel. Alles, was Seife färbt: Oxide, Ultramarine, Glimmer, Farbstoffe, Tonerden und Pflanzenpulver. Nicht alle überstehen den hohen pH-Wert der Seife. Siehe Seife färben.
Feste Fette (harte Öle). Öle und Fette, die bei Raumtemperatur fest sind: Kokosöl, Palmöl, Buttersorten, Rindertalg, Schweineschmalz. Sie ergeben ein hartes Stück. Siehe Öle auswählen.
Fettes Öl. Ein Öl, das nicht verdunstet, die Art, aus der Seife wird, im Gegensatz zu einem ätherischen Öl.
Fettsäure. Eine der langen Kohlenstoffketten, aus denen ein Fett besteht. Welche Fettsäuren ein Öl trägt, entscheidet, wie hart, reinigend und pflegend seine Seife ist. Siehe Fettsäuren und Seifeneigenschaften.
Feuchthaltemittel. Etwas, das Wasser aus der Luft zieht: Glycerin, Honig, Zucker, Natriumlactat.
Flammpunkt. Die Temperatur, bei der der Dampf eines Dufts sich an einer Flamme entzünden kann. Er ist für Lagerung und Versand wichtig; für Seife im Kaltverfahren spielt er kaum eine Rolle.
Flüssige Öle (weiche Öle). Öle, die bei Raumtemperatur flüssig sind: Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Mandelöl und die übrigen. Sie ergeben ein milderes, weicheres Stück. Siehe Öle auswählen.
G
Gelphase. Wenn ein Seifenblock durch seine eigene Wärme von der Mitte aus durchscheinend und dunkler wird. Sie ist vor allem eine Frage der Optik: Gel macht Farben kräftiger, aber Seife mit und ohne Gelphase ist gleich sicher und nach der Reifezeit gleich hart. Siehe Gelphase.
Gießseife (Melt and Pour, MP). Fertige Seifenbasis, die Sie schmelzen, färben, beduften und gießen, ganz ohne Lauge. Siehe Gießseife.
Glimmer (Mica). Ein mineralisches Pulver, mit Pigment beschichtet, für Schimmer und Farbe. Siehe Seife färben.
Glycerin (Glycerol). Das Nebenprodukt der Verseifung. Es bleibt in handgemachter Seife und zieht Feuchtigkeit aus der Luft.
Glycerinflüsse. Durchscheinende Adern in einem Stück. Sie entstehen, wenn ein Block mit viel Wasser nach dem Gel langsam abkühlt, und Pigment, vor allem Titandioxid, macht sie sichtbar. Harmlos. Siehe Glycerinflüsse und Risse.
H
Heißverfahren (HP). Den Seifenleim kochen, bis die Verseifung abgeschlossen ist, bevor er in die Form kommt. Die Seife ist sicher, sobald sie abgekühlt und fest ist, und härtet in vier bis sechs Wochen nach. Siehe Seife im Heißverfahren.
I
IFRA. Die International Fragrance Association, deren Standards für jeden Duftstoff die Höchstmenge je Produktart festlegen. Seife ist Kategorie 9. Siehe Seife beduften.
INCI. International Nomenclature of Cosmetic Ingredients: die Standardnamen in Zutatenlisten, etwa Olea Europaea Fruit Oil für Olivenöl. Siehe Seife etikettieren.
INS. Eine Zahl aus der Verseifungszahl eines Öls minus seiner Jodzahl, als grober Anhaltspunkt für die Ausgewogenheit eines Stücks. Siehe Jodzahl und INS.
J
Jodzahl. Wie ungesättigt ein Öl ist, in Gramm Jod je 100 g. Höher heißt ein weicheres Stück, das schneller ranzig wird. Siehe Jodzahl und INS.
K
Kaltverfahren (CP). Seife, für die Öle und Laugenlösung gemischt werden und die eigene Wärme der Charge die Reaktion in der Form zu Ende führt. Siehe Ihre erste Seife im Kaltverfahren.
Kastilienseife. Seife aus reinem Olivenöl. Viele Flüssigseifen, die heute als „Kastilienseife“ verkauft werden, enthalten andere Öle. Siehe Kastilienseife.
Kesselseife. Industrielle Seife aus dem Siedekessel: mit Laugenüberschuss gekocht und dann ausgesalzen, sodass das Glycerin abläuft. Siehe wie Seife entsteht.
KOH. Kaliumhydroxid, gelöst Kalilauge, die Lauge für Schmierseife und Flüssigseife. Es wird meist mit etwa 90 % Reinheit verkauft. Siehe NaOH, KOH und Mischlauge.
Komplexbildner. Ein Zusatz, der Metallionen wie Eisen und Kupfer im Stück bindet, sodass sie das Ranzigwerden nicht beschleunigen können. Tetranatrium-EDTA und Natriumcitrat sind die üblichen. Was ein Stück bei einer Wäsche abgibt, ist viel zu wenig, um hartes Wasser weicher zu machen. Siehe Antioxidantien und Komplexbildner.
L
Lauge. Das Alkali, das Öle zu Seife macht: Natriumhydroxid für Stückseife, Kaliumhydroxid für Flüssigseife. Siehe sicherer Umgang mit Lauge.
Laugenabschlag. Weniger Lauge nehmen, als die Öle aufnehmen könnten. Es ist dieselbe Zahl wie die Überfettung, von der anderen Seite gesehen. Siehe Überfettung und Laugenabschlag.
Laugenkonzentration. Die Lauge als Prozentsatz der Laugenlösung: Lauge ÷ (Lauge + Wasser). Eine 33-prozentige Lösung ist die Voreinstellung unseres Rechners. Siehe Wasser und Laugenkonzentration.
Laugenlastig. Seife mit mehr Lauge, als ihre Öle verbrauchen können, was sie ätzend macht. Siehe pH-Wert von Seife und Tests.
Laugennest. Eine Tasche mit Laugenlösung, die in einem Stück eingeschlossen ist, weil sie nicht untergemischt wurde. Sie ist gefährlich; das Stück sollte nicht benutzt werden. Siehe Fehler beim Seifensieden.
M
Masterbatch. Lauge, im Voraus in bekannter Stärke gelöst, oft 50 %, und als Lösung abgewogen. Siehe Wasser und Laugenkonzentration.
Mischlauge. Ein Rezept, das sowohl Natrium- als auch Kaliumhydroxid verwendet, üblich bei Rasier- und Cremeseifen. Siehe NaOH, KOH und Mischlauge.
Morphing. Ein Farbmittel, das im hohen pH-Wert der Seife seine Farbe ändert, wie es manche Glimmer, Farbstoffe und Pflanzenfarben tun. Siehe Seife färben.
N
NaOH. Natriumhydroxid, gelöst Natronlauge, die Lauge für Stückseife, verkauft als Perlen oder Schuppen mit nahezu 100 % Reinheit. Siehe sicherer Umgang mit Lauge.
Natriumlactat. Ein Salz der Milchsäure, das dem Laugenwasser zugegeben wird, damit das Stück härter wird und sich früher entformen lässt. Siehe Zusätze in Seife.
O
Oxide. Pigmente aus Eisenoxid (und Chromoxid). Sie sind in Seife stabil und ergeben kräftige, matte Farben. Siehe Seife färben.
P
Parfümöl (PÖ, engl. FO). Ein für Seife gemischter Duft aus synthetischen und natürlichen Stoffen. Lieferanten geben eine Einsatzmenge und ein IFRA-Zertifikat an. Siehe Seife beduften.
Peeling. Etwas, das für einen Rubbeleffekt zugegeben wird: gemahlene Haferflocken, Mohnsamen, Bimsstein, Kaffeesatz, Luffa. Siehe Zusätze in Seife.
pH-Wert. Eine Skala für Säure und Alkalität. Stückseife zeigt in einer 1-prozentigen Lösung etwa pH 9 bis 10, und das ist kein Fehler. Siehe pH-Wert von Seife und Tests.
Phenolphthalein. Ein Indikator, der sich unter alkalischen Bedingungen rosa färbt und mit dem man in Seife nach freier Lauge sucht. Siehe pH-Wert von Seife und Tests.
PPO. Per pound of oils, Unzen pro Pfund Öle, eine US-amerikanische Art, Mengen anzugeben: 1 oz Duft PPO ist 1 oz auf je 16 oz Öle, also 6,25 %. Siehe Seife beduften.
R
Reduzierte Wassermenge (Water Discount). Weniger Wasser nehmen, als ein Rezept standardmäßig vorsieht, was eine stärkere Laugenlösung bedeutet. Der Seifenleim dickt schneller an und wird heißer, und die Stücke lassen sich früher entformen, mit weniger Sodaasche und Schwund. Siehe Wasser und Laugenkonzentration.
Reifezeit. Die Wochen nach dem Schneiden, in denen Wasser aus dem Stück entweicht und es härter, ergiebiger und milder wird. Vier bis sechs Wochen sind üblich; Kastilienseife braucht Monate. Siehe Seife reifen lassen und lagern.
Ricing. Kleine Klümpchen wie Reiskörner, die sich im Seifenleim bilden, meist durch einen Duft. Siehe Stocken, Ricing und Beschleunigung.
S
Schichten. Seifenleim in getrennten Schichten gießen, oft in verschiedenen Farben. Siehe Schichten und Trennlinien.
Seifenleim. Die Mischung aus Ölen und Laugenlösung, nachdem sie gemixt wurde und bevor sie in der Form fest wird.
Sodaasche. Ein weißer, pudriger Film aus Natriumcarbonat auf der Oberfläche eines Stücks, der entsteht, wenn nicht abreagierte Lauge auf Kohlendioxid aus der Luft trifft. Harmlos und entfernbar. Siehe Sodaasche.
Soleseife. Seife aus Sole: Seife, in deren Wasser Salz gelöst ist. Siehe Salzseife.
Stabmixer. Ein Pürierstab, der Seifenleim in Minuten zum Andicken bringt statt in der Stunde oder mehr, die das Rühren von Hand braucht. Siehe die Ausrüstung, die Sie brauchen.
Stocken (Seizing). Seifenleim, der innerhalb von Sekunden im Topf fest wird, meist durch einen Duft. Siehe Stocken, Ricing und Beschleunigung.
Swirl. Farbportionen Seifenleim, die durcheinander bewegt werden, sodass ein Muster entsteht: im Topf, Drop Swirl, Hanger Swirl, mit dem Löffel, Taiwan Swirl. Siehe Swirl-Techniken.
Syndet. Ein Stück aus synthetischen Tensiden statt aus Seife, meist milder und näher am pH-Wert der Haut. Siehe Haarseife und unseren Syndet-Rechner.
T
Tarieren. Die Waage mit dem leeren Gefäß darauf auf null stellen, sodass Sie nur wiegen, was hineinkommt. Siehe die Ausrüstung, die Sie brauchen.
Teilgel. Ein dunklerer Kreis in der Mitte eines geschnittenen Stücks, wo nur die Mitte geliert ist. Ein Schönheitsfehler. Siehe Gelphase.
Titandioxid. Ein weißes Pigment, das Seife heller macht. Es muss zuerst dispergiert werden. Siehe Seife färben.
Trennlinie (Pencil Line). Eine dünne Linie aus Glimmer oder Aktivkohle, zwischen zwei Schichten gestäubt. Siehe Schichten und Trennlinien.
U
Überfettung. Der Anteil der Öle, der absichtlich unverseift bleibt, bei Stückseife meist 3 bis 8 %. Er fängt die natürliche Schwankung der Öle ab und macht die Seife milder. Siehe Überfettung und Laugenabschlag.
Umschmelzen (Rebatching). Fertige Seife reiben und mit etwas Flüssigkeit schmelzen, um einen Fehler zu beheben oder etwas zuzugeben, das frische Lauge nicht überstehen würde. Auch Hand-Milling genannt. Siehe Seife umschmelzen.
Unverseifbares. Die Bestandteile eines Öls, die Lauge nicht zu Seife machen kann, etwa Sterole, Squalen und Vitamin E. Sie bleiben im Stück. Siehe die Chemie der Verseifung.
V
Verseifung. Die Reaktion eines Fetts mit Lauge, bei der Seife und Glycerin entstehen. Siehe wie Seife entsteht.
Verseifungszahl (SAP-Wert). Die Milligramm Kaliumhydroxid, die nötig sind, um ein Gramm eines Öls zu verseifen. Seifensieder geben sie oft als Gramm NaOH je Gramm Öl an. Siehe Verseifungszahlen erklärt.
Vulkan. Seifenleim, der in der Form überhitzt, bis er reißt, sich aufwölbt oder ausbricht, meist durch Zucker, Milch oder zu viel Isolierung. Siehe Glycerinflüsse, Risse und Überhitzung.
Z
Zungentest (Zap Test). Ein Stück an die Zunge halten, um das Prickeln freier Lauge zu spüren, den „Zap“. Wir empfehlen ihn nicht: Ist das Stück laugenlastig, bringt er ätzende Seife in Ihren Mund. Phenolphthalein, ein pH-Messgerät oder eine Titration beantworten dieselbe Frage gefahrlos. Siehe pH-Wert von Seife und Tests.